nature after nature
Alice Channer

Alice Channer, Tsunami, 2013, © Foto: Nils Klinger

Wie eine gigantische Schlange erstreckt sich Alice Channers Arbeit  Tsunami über den Boden bis zur Decke des Raumes. Ihr reptilienhaftes Aussehen ist dabei jedoch nur bedingt der Tierwelt entlehnt: Tsunami basiert auf der Fotografie einer Leggings in Schlangenoptik – der synthetischen Imitation eines natürlichen Musters, die sich wie eine zweite Haut über jene des Menschen legt. In digitale Informationen umgewandelt wird diese von ihrem menschlichen Maßstab gelöst und auf matt schimmerndem Crêpe de Chine auf die Höhe des Raumes ausgedehnt.  

Channer untersucht in ihren Arbeiten die Neuverortung von Materialität und Körperlichkeit in einer zusehends vernetzten Gegenwart. Ihre Objekte mögen an Schlangenhäute, fluoreszierende Meerestiere oder die geschwungene Anatomie einer Wirbelsäule erinnern, scheinen jedoch das schwerelose, zweidimensionale Dasein digitaler Repräsentationen zu führen. Dennoch ist ihnen eine materielle Präsenz zu eigen. In der Konfrontation von Raum und Betrachterin unterbricht Tsunami den Fluss alltäglicher Erfahrung – Objekt und Ereignis zugleich.

Channers Skulpturen tragen nicht nur die fragmentierten Spuren organischer Körper, sondern auch jene der industriellen Materialien und Verarbeitungsprozesse ihrer Produktion. So ist die monumentale Ausdehnung von Tsunami auch durch die standardisierten Vorgaben von Stoffbreite und Digitaldrucker mitbestimmt. In dieser Ko-Autorschaft der Künstlerin mit anderen, nicht-menschlichen Akteuren verschränken sich unterschiedliche Größenverhältnisse miteinander, wodurch die Objekte stetig in Ausweitung und Kontraktion oder dem Übergang in einen anderen Aggregatzustand begriffen scheinen. Gewissermaßen eine organische Textur, in welcher sich ein materielles Nachdenken über natürliche Körper mittels Synthetik und Technologie manifestiert. 

   

* 1977 in Oxford, Großbritannien, lebt in London, Großbritannien

Alice Channer, Tsunami, 2013, © Foto: Nils Klinger

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Alice Channer, Tsunami, 2013, © Foto: Nils Klinger

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