nature after nature
Nora Schultz

Nora Schultz, Bird, 2012, © Foto: Nils Klinger

Nora Schultz schafft mit ihren Skulpturen vorgefundener Materialreste aus ihrem Atelier und ihrer unmittelbaren Umgebung komplexe Zeichensysteme. Unter dem Titel I Got A Vision Implanted In My Brain – Urpiece schlängelt sich ein Gummischlauch wie eine Kletterpflanze durch ein Metallgitter und erinnert an domestizierte Eigenheimnatur.Bedruckte und bemalte Teppichreste, Metallteile und Gummimatten in Nature Piece rufen Landschaftsassoziationen hervor; doch zugleich auch die Frage, warum sich dieses Arrangement industrieller Abfallprodukte überhaupt als solche ausdeuten lässt. Schultz’ Arbeiten greifen eine Form der Abstraktion auf, die mit der Geometrisierung durch die industrielle Landwirtschaft wie auch mit der urbanen Stan-dardisierung einhergeht. Pflanzenwuchs, Parkanlagen, Äcker werden so formiert, dass in Schultz’ Arbeiten das Anzitieren ihrer abstrakten Form ausreicht, um eine minimale sinnliche Ähnlichkeit zu stiften. Neben dieser Mimesis aus der Abstraktion heraus verweisen die technisch-konstruktiven Momente in der Arbeit Bird auf die lange Geschichte menschlicher Nachahmung von Verhältnissen und Prozessen, die zugleich immer mit einer notwendigen Abstrahierung von der Natur verbunden ist. Die Unmittelbarkeit, die Schultz’ Arbeiten auszeichnet, liegt dabei vor allem in ihren Materialien, die sie ihrer ursprünglichen Funktion und Bedeutung entfremdet, und die durch ihre Bearbeitung eine gewisse Autonomie und ein transgressives Potenzial entfalten. Durch die Präsenz der Druckmatten in Nature Piece oder auch dem Werkstattsound in Bird bleibt ihr Transformationsprozess gegenwärtig wie auch offen für seine Fortsetzung.

    

* 1975 in Frankfurt/Main, Deutschland, lebt in Berlin, Deutschland

Nora Schultz, Bird, 2012, © Foto: Nils Klinger

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Nora Schultz, Bird, 2012, © Foto: Nils Klinger

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