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KERSTIN BRÄTSCH
MIMIKRY

Coming soon – Eröffnung: 20. Januar 2023, 19 Uhr

Beim Betreten der Rotunde umgibt die Betrachter*innen MIMIKRY, eine raumgreifende Installation der in Hamburg geborenen Künstlerin Kerstin Brätsch. Die ortsspezifische Arbeit reflektiert einen Teil der Erdgeschichte, der den in ihren Dimensionen kaum fassbaren Kontext des menschlichen Daseins bildet. Gesteine, Sedimente und Fossilien werden in Form von Wandtapeten, Fenstervorhängen, lichtdurchlässigen Raumteilern und skulpturalen Tischen zu einem funktionalen Teil des Café-Interieurs. Das Vergangene zieht sich in die Gegenwart – ein Eindruck, der durch zahlreiche Darstellungen von lebendigen Dinosauriern noch verstärkt wird. Zu der Vergangenheit, deren Ablagerungen Brätsch in ihrem Werk mit zeitgenössischen Materialien rekonstruiert, zählen planetarische Urzeiten ebenso wie die Werkgeschichte der Künstlerin. Auch der Titel der eigens für das Fridericianum entworfenen Arbeit greift diese Verschränkung auf. Mimikry bezeichnet die Nachahmung optischer, akustischer oder auf den Geruchssinn abzielender Signale von Lebewesen, um andere Lebewesen zugunsten des eigenen Überlebens zu täuschen. In MIMIKRY vollzieht die Künstlerin diesen Prozess bildlich an sich selbst. Die Muster, Ornamente und Oberflächenstrukturen der Installation zitieren frühere Arbeiten, die selbst Nachahmung zum Thema haben. Einerseits handelt es sich dabei um die Marmorierungen der Werkgruppe Unstable Talismanic Renderings (seit 2014 bis heute), die unter anderem Gesteinsformationen vortäuschen. Andererseits sind die aus Kunststein gefertigten Oberflächen der mit polymorphen Beinen ausgestatteten Tischskulpturen mit Motiven aus der Serie Fossil Psychics (Stucco Marmo) (seit 2017 bis heute) bedruckt, die an versteinerte Pinselstriche erinnern. Im Spiel mit Imitation, Materialien unterschiedlichster Qualität sowie diversen Herstellungsverfahren sedimentiert Brätsch ihre malerische Praxis und erprobt künstlerische Überlebensstrategien. An der Grenze von Kunst und funktionsorientiertem Design begegnet sie den Betrachter*innen dabei augenzwinkernd als überaus gegenwärtige Dinosaurierin.